Kommunikation – Herausforderung im 21. Jahrhundert

Kommunikation – Herausforderung im 21. Jahrhundert

Wie erleben wir Kommunikation heute? Als Wissenschaft, Dschungel oder gar als Minenfeld? 

Selbstverständlich ist Kommunikation eine Wissenschaft (für sich). Klar ist, wir kommunizieren immer. Sobald wir uns mit mindestens einer Person gemeinsam an einem beliebigen Ort befinden kommunizieren wir. Ob wir das wollen oder nicht. Nur, wo lernen wir diese Interaktion? Zuhause, in der Kita, Schule, Universität?

Schauen wir uns mal an, wie die das bei den Ingenieuren so läuft. „Ingenieurinnen und Ingenieure gestalten die Zukunft“, so das diesjährige Grußwort im Bewerbungshandbuch des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) zur Hannover Messe. Das klingt vielversprechend und das ist es auch. Denn laut VDI gibt es in Deutschland rund 1,6 Millionen* Ingenieure und Ingenieurinnen mit besten Berufsaussichten. Viele steigen ins Management auf. Allein 40 Prozent der DAX-Unternehmen haben einen Vorstandsvorsitzenden mit einem technisch-naturwissenschaftlichen Hochschulabschluss. Und das sind immerhin 140.000*. Die Tätigkeitsfelder von Ingenieuren sind: forschen, entwickeln, konstruieren und produzieren. Andere arbeiten in Beratung oder Lehre. Doch wie gestalten sie die Kommunikation?

Kommunikation – ein Wahlmodul

Die Ausbildung zum Ingenieur braucht Zeit und fordert neben Intelligenz, Fleiß und Ausdauer. Inklusive Promotion dauert so ein Studium gerne mal acht Jahre. Die Inhalte des Studiums sind komplex und umfangreich, da bleibt kaum Zeit für Softskills und Fragestellungen zum eigenen Kommunikationsverhalten.

Wie kommuniziere ich? Wie sehe ich mich selbst und wie sehen mich andere? Fragen, die unbeantwortet bleiben, solange man sie sich nicht stellt. Wenn es überhaupt Angebote für Kommunikationstrainings während des Studiums gibt, tauchen sie als Wahlmodule auf. Inhaltlich geht’s meist um das Erlernen einer Vortrags- oder Präsentationstechnik. Antworten auf die gestellten Fragen werden kaum geboten und mit Persönlichkeitsentwicklung hat das rein gar nichts zu tun. Das heißt, während die Ausbildung darauf ausgerichtet ist, die Studenten mit so viel Lehrstoff wie möglich zu füttern, bleibt die Kommunikation auf der Strecke. Unabhängig davon, wo und wie man sich im Leben positionieren möchte, immer ist Menschenkenntnis gefragt. Sie entwickelt sich allerdings nur in dem Maß, in dem das Verständnis der eigenen Persönlichkeit wächst.

Kommunikation – ein Minenfeld?

Wie bei allen anderen Disziplinen steckt auch bei der Kommunikation der Teufel im Detail. Ein falsches Wort, eine unglückliche Geste, ein schräger Blick, der unpassende Ton – alles vorbei. Wer kennt sie nicht, solche Situationen? Was ist passiert? Möglicherweise wurden Bedürfnisse ignoriert, verletzt oder falsch wahrgenommen. Der Mensch fühlt sich unverstanden und zurückgewiesen. Wie heißt es so schön? Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Ich bezweifle das. Richtig ist allerdings, dass eine Korrektur, Wiedergutmachung oder einem Neustart stets ein Nachgeschmack bleibt. Und kann Jahr dauern, bis der ganz verschwindet. Statt Vertrauen herrscht rasch Skepsis. die Beziehung ist von vorneherein belastet. Das sollte nicht sein. Sein eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen, erfordert viel Mut und Unterstützung. Denn Selbst-und Fremdkritik zulassen lernt man nicht wie eine Vokabel. Dabei ist der Umgang mit Kritik leichter zu lernen  als viele vermuten . Bei den Teilnehmern von Kommunikationstrainings beobachtete ich, dass sie die Regeln für Feedback/Kritik – geben und nehmen – schnell verinnerlichten und praktizierten.

Sprache unsere Geheimwaffe

Neben Gestik, Mimik und Körpersprache spielt die richtige Sprach- und Wortwahl eine große Rolle.
Mark Twain bringt es auf den Punkt: „Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist der gleiche wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen.“

Studien belegen, dass die meisten Menschen ähnliche Formulierungen und Worte nutzen, das führt  zu einem eher geringen, aktiven Wortschatz. Dabei steht ein deutlich größeres passives Vokabular zur Verfügung. Der Wortschatz der deutschen Standardsprache umfasst ca. 75.000 Wörter, die Gesamtgröße des deutschen Wortschatzes wird je nach Quelle und Zählweise auf 300.000 bis 500.000 Wörter geschätzt. Abhilfe schafft gezieltes Training.

Kommunikation – ein Dschungel?

Die passende Wortwahl spielt also nicht nur in der alltäglichen Kommunikation eine tragende Rolle, sondern bei Vorträgen und Präsentationen ebenfalls. Es geschieht nicht selten, dass ein Zuhörer aufhört zuzuhören, wenn der Redner ein anderes Wort verwendet, als das, was er erwartete.
Das kann an einer unterschiedlichen Sozialisierung liegen. Gute Vorbereitung und Wissen über die Menschen, die zuhören, ist also immer ein MUSS.

Wen will ich wie erreichen? Wie schnell erkenne ich die Zusammensetzung meines Publikums? Wie tickt mein Gesprächspartner, was ist ihm wichtig? Details und Heterogenität menschlichen Verhaltens verunsichert uns Menschen und führt dazu, dass Kommunikation als Dschungel, Dickicht empfunden wird. Dabei verfügen wir Menschen über einen inneren Kompass, den wir immer in uns tragen: unsere Wahrnehmung.

Sie ist das A und O in der Kommunikation und spielt uns über das schlaue und schnelle Unterbewusstsein den ein oder anderen Streich. Wahrnehmen und Bewusstsein, das ist ein Schwerpunkt in meinen Seminaren. Sie zu schärfen, Menschen und Situationen richtig einzuschätzen, das braucht Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Übung. Ziel ist: mehr Sicherheit in der Kommunikation.

Kommunikation – Bedürfnisse respektieren

Abraham Harold Maslow stellte aus eigener leidvoller Erfahrung bereits 1943 menschliche Bedürfnisse in Form einer Grafik, der Bedürfnis-Pyramide dar. Sie ist vielen von uns bereits in der Schule begegnet und schnell in Vergessenheit geraten. Ganz im Gegensatz zu den Experimenten im Chemieunterricht – beim Erzählen leuchten die Augen, weil es ordentlich blitze, knallte und manchmal auch unglaublich nach faulen Eiern stank.

In Kommunikation-Seminaren muss es auch knallen, sonst verändert sich nichts und es geht getreu dem Motto weiter: „gelacht, gelocht und abgeheftet“.