Applaus für den Redner – fällt nicht vom Himmel

Applaus für den Redner – fällt nicht vom Himmel

Es ist immer gut, etwas Neues zu erlenen, zum Beispiel mitreißend zu sprechen.
Wer reden will, muss reden“, wusste bereits Cicero. Heißt nichts anderes als üben üben üben!

Auf fast jeder Website und in Firmen-Broschüren wird glaubhaft und in schönen Worten versichert: „Unsere Mitarbeiter sind unser höchstes Gut und die Garantie für unseren nachhaltigen Erfolg.“ In der Regel ist damit ausschließlich die fachliche Qualifikation gemeint. Und in die wird viel investiert.
Vor ein paar Jahren bewertete das Handelsblatt erstmalig die Reden der 30 Dax-Vorstände und kam zu dem Schluss: „Manager brauchen dringend Nachhilfe in Rhetorik.“ Während ein Ingenieur-Studium, zum Beispiel durchschnittlich acht bis zwölf Semester dauert, vergehen ohne Not sieben bis acht Jahre. Und dann? Das Berufsleben beginnt. Vorstellungs- und Diskussionsrunden, die ersten Präsentationen und Reden folgen. Schnell wird klar: PowerPoint reicht da nicht aus und  das beste Equipment auch nicht. Dann der erste Vortrag. Es geht  los. Hier nun ein kurzer Auszug eines Seminar-Teilnehmers:

„Das Publikum ist da und wartet gespannt auf mich und meinen Vortrag. Dann mein erster Satz, der leider mit einem langgezogenen ‚Ähmmm‘ beginnt. Guten Morgen, sehr verehrte Damen und Herren. Und jetzt? Wie steht man eigentlich richtig vor Publikum? Wie war das nochmal mit der Körpersprache? Welches Bein wohin? Soll ich die jetzt frontal anschauen oder doch lieber über die Leute hinweg sehen? Nein, bloß keinen direkten Blickkontakt. Und die Hände stören irgendwie schon bei der kurzen Einführungsrede. Gut, die Karten helfen, aber was steht da drauf? Stichworte, keine ganzen Sätze, wie soll ich die jetzt  schlagkräftig formulieren? Welche Worte soll ich überhaupt benutzen? Wie war das nochmal mit dem kurzen, aktiven Satzbau? Ach, ich weiß gar nichts mehr, ich habe Lampenfieber und hoffe, dass  ich endlich die hundert Folien zeigen kann. Wann ist es endlich vorbei?“

Mit hundert Folien erschlägt man jeden, nur kein Lampenfieber. Das „höchste Gut“ schafft es leider oft nicht, uns unterhaltsam, spannend, und überzeugend für ein Thema zu begeistern, geschweige denn mal mit einer Prise  Humor zu würzen. Mitarbeiter sind wichtig. Sie sind Botschafter, Multiplikatoren und Repräsentanten eines Unternehmens. Sie sind es wert, dass ihre Vorgesetzten sie unterstützen und so aus kleinen Schwächen, Stärken werden. Es ist keine Kunst, einen guten Vortrag zu halten, sondern eine Disziplin, die Arbeit macht. Übrigens: Ein Jahr nach der verheerenden Beurteilung der DAX-Chefs berichtete Das Handelsblatt erneut. Dieses Mal lautete die Überschrift: „Die Redner haben sich verbessert“. Überraschend,  ausgerechnet der Redner, mit  der schlechtesten Vorjahresplatzierungen, stieg als Sieger vom Podium. Binnen eines Jahres hatte er formulieren, kürzen, und reden gelernt. Mit seinem brillanten Vortrag drückte er ganz nebenbei seine Wertschätzung für seine Zuhörer aus. Die dankten ihm mit langanhaltendem Applaus.

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